Journal

Der Vogeltanz

Nov 14, 2022

Jörg Vogeltanz.
Ich kann mich nicht genau daran erinnern, wann und wo wir uns zum ersten Mal über den Weg gestolpert sind.

Wahrscheinlich als er visuelle Arbeiten für die “FM4 Neigungsgruppe: Sex, Gewalt und Gute Laune” gemacht hat, dort war ich damals als Geiger engagiert. Oder hat er Videos für eine der Nachfolger Bands mit denen ich verbandelt war gemacht ? Ich weiss es nicht mehr.
Irgendwann hatten wir jedenfalls damit begonnen, uns gegenseitig im Social Media intellektuell zu beflegeln und uns dort Grenzen aufzuzeigen.

Ja, das Grenzwissenschaftliche schien überhaupt sein grosses Interessengebiet zu sein und in den meisten Fällen rühren sich bei diesem Thema schnell meine Alarmglocken und ich suche das Weite…
Interessanterweise blieb er trotz der Hingabe mit der er sich verschiedensten Verschwörungstheorien widmen konnte gleichzeitig mit rationaler Vernunft und einer gehörigen Portion Skepsis in der Realität verwurzelt.

Und während ich mich selbst vor dem Hineinwachsen der Esoterik in meine realen Lebensbedingungen hüte, so mag ich ihr dennoch ihren Platz im kunstschaffenden Eskapismus zugestehen, von wo aus sie Licht und Schatten in die Realität werfen möge. Solange sie dabei nicht der Wissenschaft in die Quere kommt.

Was ich am Vogeltanz mochte, war seine kritische Haltung, die nicht darauf beruhte, um jeden Preis in Opposition gehen oder Gegenpositionen aus Prinzip übernehmen zu müssen. Kein zwanghaftes Advocatus Diaboli Syndrom. Und auch kein Gruppen- oder politischer Zwang, Positionen übernehmen zu müssen, und umgekehrt: nicht übernehmen zu dürfen weil es der begehrten Farbe nicht ganz entsprach. Eine gesunde Anarchie, dem Streben nach Freiheit dienend und mit einer Wachsamkeit gegenüber jeglichen Missbrauchs von Autorität. Ohne sich dabei in einer Opferrolle zu gefallen die beibehalten werden muss um keinen Identitätsverlust zu erleiden.

Und wenn ich über seine grafische Ausdrucksweise nachdenke kann ich sagen, ja ich mag diese eskapistische und gleichzeitig auch realkritische Verspieltheit seiner Herangehensweise mit der er sich ernste Themen vorknöpft. Wobei er den Schalk auch immer wieder gerne mitnimmt und mit dessen Hilfe die Darstellung mitunter bis in unangenehm grotesk entblößende Kritik treibt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir begonnen haben, zusammenzuarbeiten und warum sein visueller Output gut zu meinem musikalischen passt.

In der ersten Arbeit mit der er Bezug auf meine Musik nahm, hat er jedenfalls gleich zwei Lieder auf einmal verwurstet – zum einen “Der uroide Wanderer”, eine Neuinterpretation des und Hommage an das traditionelle Wayfaring Stranger Motiv, und zum anderen eines meiner Lieblings Sir Tralala Liebeslieder: “Zombie – heute reiß ich mir mein Herz raus und stopfs Dir in Dein Maul”.

Schnell begannen wir damit, uns künstlerisch zu ergänzen und Ideen für ein ganzes Album Artwork zu sammeln. Zuvor gab es jedoch grafische Arbeit für meine Interpretation von David Bowies “Life on Mars” und der Vogeltanz verknüpfte das passend mit seiner Interpretation und populärkulturell symbolschwangeren Persiflage von Hieronymus Boschs dornengekröntem Jesus.

Am Sir Tralala Album “Echt gute böse Lieder” fand ich mich dann mit abgerissenen Kopf wieder…

Einer der Höhepunkte der gemeinsamen Arbeit gipfelte wohl in seinem grafischen Beitrag zu meinem Lied “Querdenkerblues”. Die Arbeit spielt an der dünngewordenen Grenze zwischen eskapistischem Endzeitszenario und wahrgewordener Dystopie, zwischen notwendiger staatlich verordneter Gesundheitsmaßnahme und wissenschaftlich und politischem Irrtum, zwischen kluger Emanzipation und vermeintlich emanzipiertem bockigen Widerstand. Sie stellt den multiplen Missbrauch am bereits Marginalisierten in den Raum. Beobachtet gesellschaftliche Spaltungsmechanismen im Kontext der Unbesonnenheit medialer Alarmismen, realpolitischer Hetze und populistischer Rücksichtlosigkeit der Profiteure in unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Positionen und deren Bedürfnis, den schwelenden Konflikt zu erhalten.

In Mitten dieser Grauslichkeiten soll sich das künstlerische Programm zielgerichtet einem Zitat unterwerfen:

Unsere einzige Beschäftigung sollte unsere Heilung sein. (Epikur)

 

Weiters kümmerte sich Jörg Vogeltanz um Artwork zu Santa Maria Amore Corona, den morbiden Schlager den ich verzweifelt im ersten Lockdown produzierte.
Einen ersten Vorgeschmack darauf gab es im Rahmen einer Ausstellungseröffnung im Kulturhof in Villach  und mittlerweile hilft mir der Vogeltanz, der ja unter anderem auch studierter Bühnenbildner ist, das Livekonzept von Sir Tralala auszubauen.

Bookinganfragen bitte an
info@sirtralala.net

 

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